Deutscher Bauernhof

In den Jahren 1906 bis 1912 erschienen in mehreren deutschen Verlagshäusern Sammelmappen mit Drucken nach Walter Georgis Motiven. Bestandteil waren sowohl bereits veröffentlichte als auch neu gestaltete Motive.Innerhalb einer solchen Mappe erschien auch Georgis „Deutscher Bauernhof“. Als Vorbild diente dem Künstler der seinem Haus schräg gegenüberliegende Bauernhof des sog. Heißerbauers in der Adolf-Münzer-Straße 4 in Holzhausen am Ammersee, den er pars pro toto als Inbegriff eines deutschen Hofes stilisiert. Der dargestellte Bauernhof besteht noch heute.Georgi wählt einen leicht erhöhten Standpunkt, von dem aus er den Betrachter auf den leicht pittoresk anmutenden Hof blicken lässt. Den Hintergrund bilden Stall- oder Wirtschaftsgebäude.In der Szenerie, in der die Anwesenheit des Menschen stellvertretend durch die rechts an ein Scheunentor gelehnte Harke und das Fuhrwerk links im Vordergrund verbildlicht wird, herrscht eine ruhige, sommerliche Idylle. Im Zentrum befinden sich einige Tiere, zwei wohlgenährte rosige Schweine fressen neben einer Brunnenpumpe, ein stolzer Hahn mit seinen Hühnern, Tauben und andere Vögel picken im Misthaufen. In diese friedliche abgeschlossene Welt in einer ländlichen Gegend ist die moderne Industriegesellschaft, die sich Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte, noch nicht vorgedrungen.Das Motiv „Deutscher Bauernhof“ erschien auch in Heft 38, Seite 786, als letzter Beitrag Walter Georgis für die Zeitschrift “Jugend” (1916).LITERATURUlbrich, Peter: Kleine Häuser, große Namen. Ein Spaziergang durch das Künstlerdorf Holzhausen, Thalhofen o. J., S. 51.
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