Clara Ewald

Clara Ewald

1859 - 1948
Clara Ewald ist vor allem als Porträtistin in Erscheinung getreten. Zwei ihrer überaus lebendigen Porträts bekannter Persönlichkeiten, Rupert Brooke und Albert Schweizer, hängen heute in der National Portrait Gallery in London. Sie war eine ebenso unkonventionelle wie gebildete Frau, die nicht nur als Künstlerin Aufmerksamkeit verdient.Lesen Sie die Vita von Clara Ewald hier

Clara Ewald und Holzhausen
Metier:
Malerei
In Holzhausen:
1909 - 1938

Kunstwerke & Geschichten

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Georg Lacher

„I möcht di so, wias d' allerwei rumlaufst!“ Clara Ewald hat nicht nur Bildnisse als Auftragsarbeiten ausgeführt, sondern immer wieder auch Menschen angesprochen, deren Physiognomie sie interessierte und sie eingeladen, ihr Modell zu sitzen. Von einer solchen Begebenheit berichtet 2002 die Holzhauserin Helene Lacher. Eines Tages habe die Malerin Georg Lacher, einen alteingesessenen Bauern, in ihr Atelier in der Ammerseestraße 1 gebeten. „Auf ‘m Buidl is da Vater vom Sepp, von da Ewaldin g'mal'n. Da hat er g'schimpft, weil sie g'sagt hat, sie will eam mal'n. Er soi nunterkomma.“ Der Angesprochene folgte der Einladung scheinbar eher widerwillig, hatte sich aber für sein Porträt extra fein gemacht. „Im Tracht'nanzug, an g'scheit'n Huat hat a aufg'habt - und dann hat s' eam hoamg'schickt.“ Die Künstlerin reagierte unerwartet und schickte Lacher wieder nach Hause. Sie wollte ihn nicht in seinem Sonntagsanzug malen, sondern so, wie er täglich unter der Woche gekleidet war. "Du gehst hoam und ziagst di so an, wie du de ganze Woch' rumlaufst!" Da hat a des oide Hemad und den oid'n Huat aufsetz'n miassn. Erst dann hat s' eam g'mal'n. "Weil im Sonntagsanzug mal' i de net", hat s' g'sagt "i möcht di so, wias d' allerwei rumlaufst", so berichtet Helene Lacher. Clara Ewald interessierte sich für das Lokalkolorit und das Alltagsleben ihrer Holzhauser Mitbürger. Sie wollte das Typische und Charakteristische, die ausgeprägten Physiognomien, einfangen.
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Rupert Brooke

Der englische Dichter Rupert Brooke (1887-1915), der mit dem Sohn von Clara Ewald, Paul Peter Ewald, befreundet war, verbrachte zu Beginn des Jahres 1911 während einer Europareise drei Monate in München. Damals entstand das abgebildete Portrait, auf dem er einen Hut von Paul Ewald trägt. Der Sohn der Malerin berichtet später: „Er kam zum Tee und blieb oft bis zum Abendessen. Mein Eindruck war, dass es ihm sehr schwer fiel, sich in Deutschland einzugewöhnen, und dass er in seinen Gedanken mehr in Cambridge als in München lebte. Dies drückte er auch in seinen Briefen aus. Vielleicht um ihn aufzuheitern, hat meine Mutter ihn gemalt.“ (Übersetzt aus Judd, S. 25) Auch wenn einige Betrachter das Gemälde als zu feminin kritisierten und mangelnde Ähnlichkeit beklagten, wurde es doch zu einer der bekanntesten Darstellungen des Dichters. Rupert Brooke (1887-1915), der in Cambridge studiert hatte, war eine überaus schillernde Persönlichkeit. Er zählte Virginia Woolf, George Mallory, Maynard Keynes und andere berühmte Schriftsteller zu seinem Freundeskreis. Viele, wie Henry James, bewunderten sein Talent. Aber auch seine Erscheinung faszinierte die Menschen. So erhielt er den Beinamen der „junge Apollo“ und William Butler Yeats behauptete, Brooke sei der „bestaussehende Mann in England“. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs trat er der Royal Navy bei. Mit seinem Gedicht „Soldier“ (1914) wurde er berühmt: „Wenn ich sterben sollte, denke nur an mich: Dass es eine Ecke eines fremden Feldes gibt, das für immer England ist.“ Rupert Brooke verstarb 1915 im Alter von nur 28 Jahren auf einem französischen Lazarettschiff im Hafen der griechischen Insel Skyros an einer Sepsis. Die Ursache war ein Mückenstich. Brooke wurde auf der Insel in einem Olivenhain beigesetzt. Das Gemälde kam als Geschenk des Sohnes der Künstlerin, Paul Peter Ewald, 1972 in die Sammlung der National Portrait Gallery, London.

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