Rupert Brooke
Der englische Dichter Rupert Brooke (1887-1915), der mit dem Sohn von Clara Ewald, Paul Peter Ewald, befreundet war, verbrachte zu Beginn des Jahres 1911 während einer Europareise drei Monate in München. Damals entstand das abgebildete Portrait, auf dem er einen Hut von Paul Ewald trägt.
Der Sohn der Malerin berichtet später: „Er kam zum Tee und blieb oft bis zum Abendessen. Mein Eindruck war, dass es ihm sehr schwer fiel, sich in Deutschland einzugewöhnen, und dass er in seinen Gedanken mehr in Cambridge als in München lebte. Dies drückte er auch in seinen Briefen aus. Vielleicht um ihn aufzuheitern, hat meine Mutter ihn gemalt.“ (Übersetzt aus Judd, S. 25)
Auch wenn einige Betrachter das Gemälde als zu feminin kritisierten und mangelnde Ähnlichkeit beklagten, wurde es doch zu einer der bekanntesten Darstellungen des Dichters.
Rupert Brooke (1887-1915), der in Cambridge studiert hatte, war eine überaus schillernde Persönlichkeit. Er zählte Virginia Woolf, George Mallory, Maynard Keynes und andere berühmte Schriftsteller zu seinem Freundeskreis. Viele, wie Henry James, bewunderten sein Talent. Aber auch seine Erscheinung faszinierte die Menschen. So erhielt er den Beinamen der „junge Apollo“ und William Butler Yeats behauptete, Brooke sei der „bestaussehende Mann in England“.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs trat er der Royal Navy bei.
Mit seinem Gedicht „Soldier“ (1914) wurde er berühmt:
„Wenn ich sterben sollte, denke nur an mich: Dass es eine Ecke eines fremden Feldes gibt, das für immer England ist.“
Rupert Brooke verstarb 1915 im Alter von nur 28 Jahren auf einem französischen Lazarettschiff im Hafen der griechischen Insel Skyros an einer Sepsis. Die Ursache war ein Mückenstich. Brooke wurde auf der Insel in einem Olivenhain beigesetzt.
Das Gemälde kam als Geschenk des Sohnes der Künstlerin, Paul Peter Ewald, 1972 in die Sammlung der National Portrait Gallery, London.