Clara Ewald

Clara Ewald

1859 - 1948
Clara Ewald ist vor allem als Porträtistin in Erscheinung getreten. Zwei ihrer überaus lebendigen Porträts bekannter Persönlichkeiten, Rupert Brooke und Albert Schweizer, hängen heute in der National Portrait Gallery in London. Sie war eine ebenso unkonventionelle wie gebildete Frau, die nicht nur als Künstlerin Aufmerksamkeit verdient.Lesen Sie die Vita von Clara Ewald hier

Clara Ewald und Holzhausen
Metier:
Malerei
In Holzhausen:
1909 - 1938

Kunstwerke & Geschichten



Kunstwerke & Geschichten

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Die unglückliche Liebe der Georgine SteinlechnerDie Holzhauser Künstler waren begeisterte Segler. Doch ihnen fehlte oft das Geld, um die ortsansässige Steinlechner-Werft für die Wartung und Reparatur ihrer Boote zu bezahlen. Deshalb war es nicht unüblich, dass sie die Kosten stattdessen mit Bildern beglichen.
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Claras BauernhofWährend des Ersten Weltkriegs und der kargen Nachkriegszeit verwandelte die Künstlerin Clara Ewald ihr Anwesen in Holzhausen in einen regelrechten Bauernhof.
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Die Waffen mussten wegPaul Peter Ewald, Sohn der Malerin Clara Ewald, musste noch einmal heimlich aus dem Exil in Cambridge zurück nach Holzhausen.
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Emigration und Leben im Exil„Meine Mutter konnte es nicht ertragen, untätig zu sein ..."
Physikertagung in HolzhausenIn Holzhausen wird Wissenschaftsgeschichte geschrieben.
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Lake Scene (1926)Aus dem Jahr 1926 stammt eine Uferlandschaft von Clara Ewald, die heute in der Manchester Art Gallery zu sehen ist. Bemerkenswert ist zunächst das eher ungewöhnliche hochrechteckige Format, wählen Maler doch im Allgemeinen eher ein querrechteckiges, eher panoramahaftes Bildformat für eine Naturwiedergabe. Die Landschaft erscheint damit stark ausschnitthaft. Vielleicht ging es Clara Ewald um den raschen Wechsel von Sonne und Wolken und deren Spiegelung im leicht gekräuselten Wasser. Das Wasser im Vordergrund, unterbrochen von einem Schilfgürtel, der weit in den See hineinragt, gibt sie in einer lockeren, leicht aufgelösten Malweise wieder. Ewald knüpft damit an die Tradition spätimpressionistischer Freiluftmalerei an. Farblich dominieren unterschiedliche Blautöne des Wassers und des Himmels, unterbrochen vom etwas stumpfen Grün der sommerlichen Vegetation und wenigen orange-bräunlichen Akzenten. Diese bilden einen annähernd komplementären Farbkontrast und steigern somit die Farbwirkung der gesamten Komposition. Das Gemälde kam als Erbe der herausragenden britischen Ärztin Dr. Jane Harriett Walker (1859 –1938), die erstmals die Frischluft-Therapie zur Behandlung von Tuberkulose in England anwandte, in die Sammlung der Manchester Art Gallery.
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Rupert BrookeDer englische Dichter Rupert Brooke (1887-1915), der mit dem Sohn von Clara Ewald, Paul Peter Ewald, befreundet war, verbrachte zu Beginn des Jahres 1911 während einer Europareise drei Monate in München. Damals entstand das abgebildete Portrait, auf dem er einen Hut von Paul Ewald trägt. Der Sohn der Malerin berichtet später: „Er kam zum Tee und blieb oft bis zum Abendessen. Mein Eindruck war, dass es ihm sehr schwer fiel, sich in Deutschland einzugewöhnen, und dass er in seinen Gedanken mehr in Cambridge als in München lebte. Dies drückte er auch in seinen Briefen aus. Vielleicht um ihn aufzuheitern, hat meine Mutter ihn gemalt.“ (Übersetzt aus Judd, S. 25) Auch wenn einige Betrachter das Gemälde als zu feminin kritisierten und mangelnde Ähnlichkeit beklagten, wurde es doch zu einer der bekanntesten Darstellungen des Dichters. Rupert Brooke (1887-1915), der in Cambridge studiert hatte, war eine überaus schillernde Persönlichkeit. Er zählte Virginia Woolf, George Mallory, Maynard Keynes und andere berühmte Schriftsteller zu seinem Freundeskreis. Viele, wie Henry James, bewunderten sein Talent. Aber auch seine Erscheinung faszinierte die Menschen. So erhielt er den Beinamen der „junge Apollo“ und William Butler Yeats behauptete, Brooke sei der „bestaussehende Mann in England“. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs trat er der Royal Navy bei. Mit seinem Gedicht „Soldier“ (1914) wurde er berühmt: „Wenn ich sterben sollte, denke nur an mich: Dass es eine Ecke eines fremden Feldes gibt, das für immer England ist.“ Rupert Brooke verstarb 1915 im Alter von nur 28 Jahren auf einem französischen Lazarettschiff im Hafen der griechischen Insel Skyros an einer Sepsis. Die Ursache war ein Mückenstich. Brooke wurde auf der Insel in einem Olivenhain beigesetzt. Das Gemälde kam als Geschenk des Sohnes der Künstlerin, Paul Peter Ewald, 1972 in die Sammlung der National Portrait Gallery, London.
Georgine Steinlechner1924 porträtierte Clara Ewald die damals 20-jährige Georgine Steinlechner, die Tochter eines Bootsbauers aus Utting. Als Schulterstück oder Büstenporträt malte Ewald die junge Frau in hellen Gelb- und Rosétönen. Diese zarten Valeurs bilden einen schönen Kontrast zu dem dunklen Haar, das die junge Frau hochgesteckt und in der Mitte gescheitelt trägt. Das rosige Gesicht mit den schön geschwungenen Lippen und dunklen Augen erscheint im Licht, während der Hals verschattet im runden Ausschnitt mündet. Kleid, Inkarnat und Hintergrund sind annähernd monochrom wiedergegeben. Die Malweise ist leicht fleckig aufgelöst. Der Kopf ist etwas aus der Bildmitte nach links gerückt und nach oben gedreht. Georgine Steinlechner blickt melancholisch, sinnend und träumerisch in Richtung des Betrachters. Vielleicht ein Hinweis auf ihre unerfüllte Liebe zu einem jungen italienischen Marineoffizier.
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Georg Lacher„I möcht di so, wias d' allerwei rumlaufst!“ Clara Ewald hat nicht nur Bildnisse als Auftragsarbeiten ausgeführt, sondern immer wieder auch Menschen angesprochen, deren Physiognomie sie interessierte und sie eingeladen, ihr Modell zu sitzen. Von einer solchen Begebenheit berichtet 2002 die Holzhauserin Helene Lacher. Eines Tages habe die Malerin Georg Lacher, einen alteingesessenen Bauern, in ihr Atelier in der Ammerseestraße 1 gebeten. „Auf ‘m Buidl is da Vater vom Sepp, von da Ewaldin g'mal'n. Da hat er g'schimpft, weil sie g'sagt hat, sie will eam mal'n. Er soi nunterkomma.“ Der Angesprochene folgte der Einladung scheinbar eher widerwillig, hatte sich aber für sein Porträt extra fein gemacht. „Im Tracht'nanzug, an g'scheit'n Huat hat a aufg'habt - und dann hat s' eam hoamg'schickt.“ Die Künstlerin reagierte unerwartet und schickte Lacher wieder nach Hause. Sie wollte ihn nicht in seinem Sonntagsanzug malen, sondern so, wie er täglich unter der Woche gekleidet war. "Du gehst hoam und ziagst di so an, wie du de ganze Woch' rumlaufst!" Da hat a des oide Hemad und den oid'n Huat aufsetz'n miassn. Erst dann hat s' eam g'mal'n. "Weil im Sonntagsanzug mal' i de net", hat s' g'sagt "i möcht di so, wias d' allerwei rumlaufst", so berichtet Helene Lacher. Clara Ewald interessierte sich für das Lokalkolorit und das Alltagsleben ihrer Holzhauser Mitbürger. Sie wollte das Typische und Charakteristische, die ausgeprägten Physiognomien, einfangen.
Malwine GeorgiVon Malwine Georgi (1873-1944), der Frau des Malers Walter Georgi, existiert diese Portraitstudie. Vor einem unbestimmten Hintergrund ist Malwine, genannt Wina, im Profil dargestellt. Lediglich das Gesicht ist etwas stärker ausgearbeitet, während der weiße Kragen und die Schulterpartie nur rudimentär angelegt sind. Mit einer deutlichen dunklen Konturlinie gibt Clara Ewald die markante Physiognomie der Portraitierten wieder. Bei aller Unfertigkeit und Skizzenhaftigkeit erreicht die Studie doch eine gewisse lebensechte Wirkung. Malwine Georgi wurde in Lemberg in Galizien, heute Ukraine, geboren und am 13.01.1944 nach Theresienstadt deportiert. Dort kam sie am 23.01.1944 unter noch nicht näher geklärten Umständen zu Tode oder wurde ermordet. Auf dem Holzhauser Friedhof erinnert eine kleine Tafel auf dem Grabstein von Walter Georgi an seine Frau. Dort ist als Geburtsort fälschlicherweise Prag angegeben.
Raoul PictetDie Ölskizze für ein Bildnis, die Clara Ewald von dem Schweizer Physiker Raoul Pictet (1846-1929) malte, und das sich heute im Besitz des Vereins „Unser Dorf“ in Holzhausen befindet, ist rückseitig, von unbekannter Hand, beschriftet und auf 1898 datiert. Sollte diese Datierung richtig sein, so hat die Malerin Pictet möglicherweise in Berlin getroffen, wo sich der Wissenschaftler seit 1886 aufhielt. Ihm war es als Erstem gelungen, Luft unter hohem Druck und bei tiefen Temperaturen in einen flüssigen Aggregatszustand zu verwandeln. Der Schweizer Pictet lehrte an der Universität in Berlin und hatte ein Labor für Tieftemperaturphysik eingerichtet. Clara Ewald stellt ihn, als Ganzfigur, inmitten seines Laboratoriums dar. Er steht, den Kopf leicht zur Seite gewandt, mit konzentriertem und nachdenklichem Ausdruck etwas aus der Mitte nach links gerückt, so als überdenke er für einen Augenblick den Versuchsablauf. Die Farbigkeit ist insgesamt recht verhalten und aus Grau-, Beige- und Brauntönen aufgebaut. Lediglich mit jeweils zwei grünlichen und rötlichen Akzenten in den Glasgefäßen und an Geräten setzt Ewald Akzente. Die Ölskizze war 2014 ein Geschenk des Galeristen und Kunstsammlers Dr. Alfred Gunzenhauser an den Verein „Unser Dorf“. Gunzenhauser hatte von 1982 bis zu seinem Tode 2015 im ehemaligen Künstlerhaus von Walter Georgi in Holzhausen gewohnt.

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