Adolf Münzer

Adolf Münzer

1870 - 1953
Adolf Franz Theodor Münzer wird am 05.12.1870 in Pless in Schlesien (polnisch: Pszczyna) geboren.Lesen Sie die Vita von Adolf Münzer hier

Adolf Münzer und Holzhausen
Metier:
Malerei
In Holzhausen:
1905 - 1953
Adolf-Münzer-Straße
Mitarbeit:
Künstlervereinigung Scholle
Mitarbeit:
Zeitschrift „Jugend”Zeitschrift „Simplicissimus”

Kunstwerke & Geschichten

Die Legende der Genoveva

Zweimal setzte sich Adolf Münzer künstlerisch mit der Genoveva Legende auseinander. Die Sage handelt von einer Königstochter, die, als ihr Gatte, ein Adeliger namens Siegfried, auf einem Feldzug war, von dessen Stellvertreter zu Unrecht des Ehebruchs bezichtigt wurde, weil sie ihn abgewiesen hatte. Der Henker, der das Todesurteil an ihr vollstrecken sollte, brachte sie stattdessen in den tiefen Wald und überließ sie ihrem Schicksal. Eine erste Version aus dem Jahr 1932, die Mutter und Kind zwischen Bäumen sitzend und von Rotwild umringt darstellt, ist verschollen. Das Bildthema, das häufig unter dem Titel „Genoveva in der Waldeinsamkeit“ auftritt, hat Münzer in der zehn Jahre später entstandenen zweiten Version insofern abgewandelt, als er Genoveva nicht mit ihrem Sohn darstellt, sondern sie in der Bildmitte als Akt in den Mittelpunkt einer Landschaftsdarstellung zeigt. Verführerisch als Dreiviertelfigur, einem heimlichen Beobachter zugewandt, sitzt sie auf einem aus Naturstein gebildeten Brunnenrand, dem eine Quelle entspringt. Flankiert wird die Schöne von zwei Hirschen und einem Eichhörnchen. Die Hirschkuh ist Teil der Legende. So soll die Gottesmutter selbst diese Gestalt angenommen haben, um Genoveva und ihren eben erst geborenen Sohn während der sechsjährigen Verbannung in einer Höhle inmitten des Waldes zu versorgen. Die überströmende Quelle ergießt sich in einen Bachlauf, der den Vordergrund teilt. Der Hintergrund wird durch die umgebenden Bäume mit ihrem dichten Blättergrün gebildet. Münzer verwandelt hier eine Mutter-Kind Szene, also eine Art Madonnenszene, in ein Motiv mit eher voyeurhaftem Zug. Die begehrlichen Blicken ausgesetzte Frau lässt auch an den biblischen Stoff der Susanna im Bade oder an den Mythos der griechischen Göttin Diana, die von dem Jäger Aktäon (oder Aktaion) unbeabsichtigt badend beobachtet wird, denken. Ihn ereilt ein schreckliches Schicksal, lässt die jungfräuliche Jagdgöttin Aktäon doch in einen Hirsch verwandeln und von den eigenen Hunden zerfleischen. Die Legende der Genoveva hingegen nimmt ein gutes Ende. Nach seiner Rückkehr lässt Pfalzgraf Siegfried, der von der Unschuld Genovevas überzeugt ist, den Verleumder hinrichten und zum Dank für die Errettung von Frau und Kind an Stelle der Höhle eine Marienkapelle erbauen. Die mündlich tradierte Sage der Genoveva von Brabant, die im Mittelalter regional als Heilige verehrt wurde, ist erstmals im 13. Jahrhundert im Kloster Maria Laach niedergeschrieben worden.

Adolf Münzer Selbstbildnis

Im Jahr 1913, in der Zeit seiner größten Erfolge, stellt sich Adolf Münzer im Alter von 43 Jahren selbst dar: als Maler mit einer Palette und einer Zigarette im Mundwinkel. Sein wacher, ernster Blick wendet sich aus dem Bild. Dabei scheint er jedoch weniger den Betrachter zu adressieren, vielmehr scheint es, als denke er über das eben entstehende Bild nach. Wie oft in Künstlerselbstporträts zeigt das Bild den sinnenden Blick des Künstlers in den Spiegel und verweist so auf die eigene Positionsbestimmung. Der Künstler steht vor einem großen Atelierfenster, das kleinteilig durch Sprossen unterteilt ist. Wie eine Art Horizontlinie verläuft ein Vorhang in der Horizontalen exakt auf Höhe des weißen Kragens seines Hemdes, das er unter dem Malerkittel trägt. Neben der Farbe Weiß und den Grünvaleurs des Laubes im Garten außerhalb des Ateliers sind im Bild nur noch Grau und der goldbraune Ton von Inkarnat und Kleidung zu finden. In lockerer Malweise stellt sich Münzer im Dreiviertelprofil, als Brustbild stehend, ohne die ausführenden Hände, den Kopf leicht aus der Mittelachse nach rechts gerückt, dar. Der Künstler nimmt zusammen mit der Palette die gesamte Bildbreite ein. Sein rechter Oberarm wird leicht vom Bildrand überschnitten. Münzer zeigt sich durchaus selbstbewusst, als reflektierender kreativer Geist, wofür auch die Signatur A. Münzer 1912 in großen Lettern in der unteren rechten Bildecke spricht. Das Selbstporträt wirkt insgesamt kraftvoll, fast wuchtig und ist von konzentrierter Ruhe geprägt.

Abseits vom Fest

Die weibliche Figur in der Landschaft ist ein Motiv, das auch die französischen Maler des Impressionismus, wie Claude Monet oder Pierre-Auguste Renoir, vielfach bearbeiteten. Adolf Münzer malte jeweils im Sommer der Jahre 1905 und 1906 eine ganze Serie von Gemälden, für die Marie-Therese Dreeßen, seine spätere Ehefrau, als Modell posierte. Wie sehr Adolf Münzer seine Muse inspirierte, belegt dieses von Florian Münzer überlieferte Zitat: „Mimi, noch zwei Jahre mit dir und ich kann malen!“ (Münzer, S. 107) Die Bilder, die Münzer in der Jahresausstellung 1905 im Glaspalast zeigte, erfuhren durch Fritz von Ostini eine positive Besprechung. Er schreibt: „MÜNZER schickte zwei lebensgroße Bilder einer Dame, eines in weißem Kleide, im goldig grünen Halbschatten eines Buchenwaldes und eines in karnevalistischer Toilette im Zimmer, beide vollwertig von oben bis unten, flüssig und breit und entzückend schön im Ton in einem Zuge heruntergemalt“ (Ostini, S. 547). Die junge Frau steht in einem Waldstück und hält einen Strauß gelber Blumen in der linken Hand. Im Hintergrund befinden sich weitere Personen und man meint, den Ammersee durch die Bäume zu sehen. Dem Maler ging es neben dem reizvollen Modell vor allem um das Spiel von Licht und Schatten auf dem hellen Kleid. Zwischen den Bäumen hindurch wirft die Sonne regelrechte Lichtflecken auf den Waldboden. Das Gemälde „Abseits vom Fest“ (im Ausstellungskatalog als „Waldfest“ aufgeführt) wurde zunächst 1905 aus der Ausstellung im Münchner Glaspalast angekauft, später aber gegen „Im Birkenwald“ getauscht. Heute ist das Gemälde „Waldfest“ im Adolf Münzer Museum, das der Enkel des Malers, Florian Münzer, in Holzhausen am Ammersee eingerichtet hat, zu besichtigen. Münzer arbeitete „sur le motif“, das bedeutet, dass er zunächst Studien oder auch Fotografien vor Ort in der Landschaft anfertigte, dort Licht und Schattenwurf studierte, die Farbwerte festhielt, und danach seine teils großformatigen Gemälde im Atelier ausarbeitete.

Ihr Hinweis ist wertvoll

Sie kennen Bilder oder Geschichten rund um die Künstlerkolonie Holzhausen? Ihnen ist auf der Website etwas aufgefallen? Wir freuen uns über Ihre Nachricht.Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen und uns mit Ihren Hinweisen unterstützen. Ihre Nachricht wird vertraulich behandelt.
Teilen Sie ihr Wissen