Eduard Selzam

Eduard Selzam

1859 - 1951
Eduard Selzam war der erste Künstler, der sich am Westufer des Ammersees niederließ. Möglicherweise war er es, der Professor Paul Hoecker, „den ersten modernen Lehrer“ der Akademie der Bildenden Künste München, und den Bildhauer Mathias Gasteiger für die Landschaft rund um Utting und Holzhausen begeisterte.Lesen Sie die Vita von Eduard Selzam hier

Eduard Selzam und Holzhausen
Metier:
Malerei
In Holzhausen:
1889 - 1951

Kunstwerke & Geschichten



Kunstwerke & Geschichten

MünchenMagnet für den angehenden Künstler
Dem Militär verplichtetEduard Selzam stammt aus einer wohlhabenden hessischen Offiziersfamilie, die von den weiblichen Linien her auch in adlige Kreise hineinreicht.
Die Kunstakademie in MünchenAm 17. Oktober 1877 schreibt sich
Sehnsuchtsort AmmerseeEs ist vermutlich Wilhelm Leibl, der seinen Freund an den Ammersee lockt.
Vom Militär zur Malerei und zur LandwirtschaftIn dem Jahrzehnt zwischen Studienbeginn (1877) und Heirat (1889) absolviert Eduard Selzam wohl zeitgleich seine militärische Ausbildung im Großherzoglichen 2. Dragoner-Regiment.
Ehefreuden - EheleidenWährend seines Aufenthalts beim Postwirt in Unterschondorf verliebt sich Eduard Selzam in die um drei Jahre jüngere Gastwirtstochter Agathe Steininger (geb. 21.09.1862, gest. 17.05.1935).
Leben in UttingWie hat man sich Eduard Selzams Leben selbst in Utting vorzustellen?
Ein Lebenstraum - Das SchlösslNach eigenen Plänen entworfen, wurde das Bauvorhaben mit Baumeister Johann Berchtold aus Erling realisiert.
Eduard SelzamFritz Strobentz (1856 -1929), der wie Eduard Selzam von 1880-1882 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Löfftz studiert hatte, schuf 1920 ein sehr charaktervolles Porträt seines langjährigen Freundes. Dabei konzentrierte er sich ausschließlich auf die Physiognomie. Selzam, ein glatzköpfiger Mann mittleren Alters mit Kaiser Wilhelm Schnauzer und gepflegtem Kinnbart, erscheint im Dreiviertelprofil und blickt den Betrachter ruhig an. Seine Studie hat der Künstlerfreund links unten mit F. Strobentz signiert. Strobentz, dem 1910 durch das Königreich Bayern der Professorentitel verliehen wurde, war Gründungsmitglied der Münchener Secession, er hatte Bezüge zur Künstlerkolonie Dachau und gehörte zum Umfeld von Leo Putz.
Portraitstudie (Belvedere, Wien)Im Besitz des Belvedere Museums in Wien befindet sich mit der Inventarnummer 4584 eine weibliche Portraitstudie, die lange Wilhelm Leibl zugeschrieben wurde. Nach heutigem Wissensstand stammt das Werk jedoch von Eduard Selzam. Im Jahr 1952, ein Jahr nach dem Tod von Eduard Selzam, wurde es aus dem Kunsthandel und Antiquariat Josef Hofstätter, Wien, für das Belvedere Museum angekauft. Im dortigen Inventar ist auch die Provenienz aufgeführt. Mutmaßlich aus der Sammlung Wilhelm Leibl wurde das kleine Bild 1904 an die Galerie Miethke in Wien verkauft. 1917 befand es sich dann im Besitz der Wiener Kunsthandlung Nebehay. Rückseitig ist es mit W. Leibl bezeichnet, was vermutlich zu der irrtümlichen Zuschreibung führte. Zu sehen ist eine Frau mittleren Alters mit hohen Wangenknochen und tiefliegenden dunklen Augen. Das Gesicht ist links hell ins Licht gerückt, während die rechte Hälfte verschattet bleibt. Die Dargestellte, deren Gesichtsausdruck reglos und ernst erscheint, trägt ein dunkles, hochgeschlossenes Kleid, dessen Kragen einen zarten, leicht gekräuselten weißen Rand aufweist. Die Portraitstudie rückt die Physiognomie ins Zentrum und endet an der Schulterpartie. Das dunkle Kleid geht in den unbestimmten schwärzlichen Hintergrund über.
Sommer Eduard Selzams Gemälde „Sommer“ wurde von seinen Nachkommen aus dem Kunsthandel erworben. Es ist in der Literatur doppelt dokumentiert: Friedrich von Bötticher führt es unter dem Titel „Sommer. Zwei im Schatten ruhende Schnitter u. eine Wasserträgerin“ als eines von vierzehn Werken Selzams auf. Es wurde 1890 in der Jahresausstellung im Münchener Glaspalast gezeigt und erscheint im Juni 1894 im Katalog des Berliner Auktionshauses Lepke. Damit ist das Bild vor 1890 zu datieren. Im Unterschied zu anderen Werken von Eduard Selzam ist die Malweise aufgelockerter, kleinteiliger und weist auch in der Farbigkeit deutlichere Bezüge zum Impressionismus auf. Dies gilt insbesondere für die sommerliche Vegetation. Die Wiese mit ihren bunten Blumen im Vordergrund und die Blätter der Bäume sind in zahlreichen Grünvaleurs wiedergegeben. Die etwas größere linke Hälfte des Bildes ist verschattet. Dort rasten die Schnitter, zwei junge Männer mit ihren Hüten, halb liegend im Gras. Eine Sichel lehnt an einem Baumstamm links am Bildrand. Die Blicke der Schnitter folgen einem jungen Mädchen, das rechts im Vordergrund im Vorübergehen einen Moment inne zu halten scheint. Die etwas kleinere rechte Seite des Bildes erscheint sonnenbeschienen im hellen Mittagslicht eines heißen Sommertages. Das Mädchen trägt einen Krug in ihrer rechten Hand und gleicht das Gewicht mit dem linken ausgestreckten Arm aus. Offenbar ist der gut gefüllte Wasserkrug recht schwer. Die Wasserträgerin ist in Tracht gekleidet, ein weißes Kopftuch umrahmt das Gesicht. Besonders das rote Mieder steht komplementär und im Kontrast zu dem dominierenden Grün der umgebenden Landschaft.
Frühsommer im WaldeFür dieses hochformatige Bild stand Eduard Selzam erneut seine Schwägerin Martha Modell. Die schlanke, elegante Erscheinung im dunklen Kleid ist als Rückenfigur gegeben. Begleitet wird sie auf ihrem Spaziergang von ihrem Windhund. Es ist wohl derselbe Hund, der auch auf dem Reiterbildnis zu sehen ist. Dieses Gemälde wurde 1894 auf der Ausstellung der Münchener Secession gezeigt. Die Spaziergängerin befindet sich inmitten eines lichten Wäldchens, die schmalen Stämme sind belaubt. Im oberen Teil des Bildes scheint der helle Himmel durch, dort ist das Ufer des Ammersees zu vermuten.
Die ScheppalleeDie Städtische Kunstsammlung Darmstadt, die vom Institut Mathildenhöhe betreut wird, besitzt ein Ölgemälde von Eduard Selzam, „Die Scheppallee“, das die Inventar Nummer 5MA trägt. Es ist rückseitig oben rechts mit EDUARD SELZAM signiert. Selzam malte die Ansicht eines Naturdenkmals seiner Heimatstadt, einer Allee mit 160 Kiefern. Da diese zumeist verkrüppelt waren und schief standen, erhielt die Allee den Namen Scheppe Allee, „schepp” bedeutet umgangssprachlich schief. Die Allee wurde 1714 unter Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt angelegt, sie hat eine Länge 750 Metern und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg dicht bebaut. Eine undatierte Postkarte, die Edo, wie Eduard Selzam innerhalb der Familie genannt wurde, an seine Frau Agathe von einem Besuch in Darmstadt schrieb, zeigt auf der Vorderseite dasselbe Motiv. Den Kiefern mit ihren teils stark verkrüppelten Stämmen gilt sein malerisches Interesse ebenso wie dem Spiel von Licht und Schatten, das die Bäume auf der nach hinten schmal zulaufenden Allee zeigen.
Portrait von AgatheFür das kleinformatige Bildnis seiner Frau Agathe wählte Eduard Selzam einen engen Bildausschnitt. In der Art einer Büste zeigt er ihr Gesicht im Dreiviertelprofil und ihre Schultern vor einem unbestimmten beigefarbenen Hintergrund. Die junge Frau hat eine frische Gesichtsfarbe und leicht gerötete Wangen. Ihr Bildnis erscheint lebenswahr und nicht idealisiert. Der Blick geht am Betrachter vorbei und scheint auf etwas ihr Gegenüberstehendes gerichtet. Mit Ausnahme des Hauttons und des Hintergrunds bestimmt der Akkord von Rot und Schwarz das Gemälde. Sie trägt ein hochgeschlossenes Kleid mit dunklem Kragen und eine Haube mit einem kurzen hauchzarten Schleier, der ihre Physiognomie rahmt.
Martha zu PferdeAuf dem Gemälde zu sehen ist die Schwägerin von Eduard Selzam, Martha von Selzam, geb. Schmitt (1873-1951). Martha, die in Milwaukee, Wisconsin, als Tochter des Kaufmanns und Drogeriebesitzers Edward Schmitt aus Hersbruck und der Mainzerin Clara Marcel geboren wurde, hatte 1897 Eduards jüngeren Bruder Carl geheiratet. Dargestellt ist sie im schwarzen Reitkostüm mit blütenweißem Brusttuch und weißen Reithandschuhen. Sie trägt die Haare der Mode dieser Zeit entsprechend hochgesteckt, darauf einen kleinen Hut in Form einer Melone. Begleitet wird die elegante Dame auf ihrem Ausritt von einem schwarz-weißen Windhund, einem Barsoi. Sie sitzt auf einem glänzenden schwarzen Rappen mit heller Blesse auf der Stirn und hält die Zügel in beiden Händen. Ihr ruhiger Gesichtsausdruck, die elegante Erscheinung und die tadellose, aufrechte Haltung weisen sie als Dame der höheren Gesellschaft aus. In die Diagonale gestellt werfen die Beine des Pferdes Schatten auf den sonnenbeschienenen Weg. Pferd und Reiterin stehen vor einem Gras- oder Schilfgürtel. Im oberen Teil des Gemäldes steht eine Reihe horizontal aufragender Bäumchen mit dünnen Stämmen, die vor einem zartblauen Himmel emporragen. Erkennbar ist eine leicht impressionistische Tendenz sowie das Spiel von Licht und Schatten im unteren Teil des Bildes. Im Bildhintergrund bemerkt man eine eher jugendstilhafte Stilisierung.
Bild eines kleinen HundesDieses frühe Blatt belegt die Begabung des erst 15-jährigen Knaben. In seiner Bleistiftskizze konzentrierte Eduard Selzam sich gänzlich auf den Kopf des Hündchens. Mit treuem Blick und leicht schief gelegtem Kopf blickt der wuschelige Vierbeiner sein Herrchen an. Selzam fängt die offensichtlich enge Bindung zwischen ihm und seinem kleinen vierbeinigen Freund anschaulich ein. Der ovale Bildausschnitt, der durch ein Passepartout freigegeben wird, erinnert an ein Medaillon und gibt dem kleinen Blatt einen privaten Charakter. Unterhalb der Zeichnung in der Bildmitte hat der junge Zeichner in einem goldfarbenen Oval mit Sz gezeichnet und das exakte Datum 18.12.1874 vermerkt.
Nach dem AmtEduard Selzam wählte als Schauplatz für sein Gemälde „Nach dem Amt“ den Platz vor der Kirche St. Jakob in Schondorf. Der romanische Tuffquaderbau aus der Mitte des 12. Jahrhunderts ist eines der ältesten, noch weitgehend im ursprünglichen Zustand erhaltenen Bauwerke in der Region. Die doppelgeschossige Kirche mit ihrem auffallend großen Dachgeschoss wurde 1149 von dem Schondorfer Adeligen und Ministerialen Chounradus gegründet. Im Jahrtagsverzeichnis von Diessen wird Chounradus gelobt: „… der die Kirche in lobenswerter Weise mit Kunstfertigkeit errichtet hat.“ Die Kirche verfügt über ein unterirdisches Gewölbe und das rechteckige Langhaus weist eine etwas eingezogene halbrunde Apsis auf. Dieser Ort hat auch eine persönliche Bedeutung für den Maler Eduard Selzam. In unmittelbarer Nähe steht bis heute das Wirtshaus Post. Seine Ehefrau Agathe war die Tochter des Postwirts. Vor dem Eingang an der südlichen Langseite der kleinen Kirche, deren Mauerwerk gut sichtbar ist, sind mehrere Bildfiguren zu sehen: ein älterer Bauer und Frauen in sonntäglicher Tracht. Am rechten Bildrand ist eine weitere Bildfigur schemenhaft zu erkennen, sie wurde vermutlich später übermalt. Rechts im Vordergrund geht eine junge Frau. Sie blickt aus dem Bild, ihr Gesicht ist dem Betrachter zugewandt. Sie trägt ein schwarzes Jäckchen über einer hochgeschlossenen Spitzenbluse, einen Rock in einem dunklen rötlichen Farbton und rot schwarz gestreiften Details. Eine Haube mit kleinem Schleier umrahmt ihr Gesicht, das Gebetbuch und einen Rosenkranz hält sie in der rechten Hand. Vermutlich handelt es sich um Agathe, die spätere Ehefrau des Malers. Hinter ihr ist eine ältere Frau im Profil zu sehen. Die weiße Bluse mit den bauschigen Ärmeln steht im Kontrast zum schwarzen Kleid. Eine weitere Frau tritt aus dem rundbogigen Portal der Kirche heraus, die rechte Hand am Geländer, steht sie auf der zweiten Treppenstufe. Links von der Mittelachse ist ein alter Mann auf einen Stock gestützt zu sehen. Er fasst sich mit der linken Hand an die Hutkrempe. Auffallend sind die derben Schuhe des Bauern. Links vom unteren Absatz der Treppe sitzen eine junge Frau mit weißer Schürze und eine weitere weibliche Bildperson, die in ihr Gebetbuch vertieft ist. In seinem Werk „Nach dem Amt" schildert Selzam die Minuten nach dem Gottesdienst, in denen die Kirchgänger auseinandergehen.

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